Kulturschock Wasserweckle |
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Die Freiburger Bäckerei birgt für Neuankömmlinge einen kleinen Kulturschock. Schrippen, Stuten, Schusterjungen - vergiss sie in diesem Land der Weckle, Seelen und anderer Merkwürdigkeiten. Erste Lektion für den Frühstücksgrundkurs: Brötchen heißt Weckle. Das geht dem Norddeutschen schwer über die Zunge, aber es führt kein Weg daran vorbei. Denn selbst wer hochdeutsche Brötchen verlangt, wird das Weckle nicht los: "Wasser- oder Milchweck?" fragt die Backwarenverkäuferin streng zurück und verlangt nicht minder fachmännische Antwort. Wer jetzt auf Mlich setzt, weil das nahrhafter klingt, macht einen Fehler und muß mit knautschigem Füllstoff heimgehen. Auch wenn der Name an Armenhaus und Skorbut denken lässt: Krachende Knusprigkeit bietet nur das Wasserweckle - wenn überhaupt. Denn als Künstler sind die Freiburger Bäcker nicht gerade bekannt, die meisten Läden gehören zu Ketten, und wirklich gute Weckle zu bekommen, ist eine Wissenschaft für sich - aber stopp, das ist schon Stoff fürs Oberseminar. Bleiben wir bei den Basics und wenden uns den Laugenvarianten zu: den Brezeln, Stangen, Weckle und Knoten. Wie so oft im Leben, bestimmt die Form den Inhalt, drum schmecken sie alle verschieden. Es gibt Freiburger, die Laugenknoten lieben, Laugenweckle aber verachten. Das weiß auch die Fachverkäuferin, weshalb man mit einem im frühmorgendlichen Tran dahingenuschelten "Geben Sie mir was aus Laugenstoff" (so gehört von einem kürzlich aus Neumünster zugeogenen Erstsemester) nur strenges Nachfragen provoziert. Finger weg übrigens von Croissants (diese Disziplin beherrscht hier trotz Grenznähe kaum einer). Ruhig aufnehmen in unser Frühstückskörbchen können wir dagegen die schwäbische Seele, die mit ihrer munter-salzigen Kümmelkruste zum Glück kein bisschen so schmeckt wie sie heißt. BZ / Annette Goebel |
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