Nichts wie rein |
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Irgendwann fängt der Student - und natürlich auch die Studentin - an, sich für die Kommunalpolitik in seiner neuen Heimat zu interessieren. Schließlich hat man ja nicht umsonst jahrelang Gemeinschaftskunde gepaukt. Zentrale Schaltstelle für die Politik einer Stadt ist ihr Gemeinderat. Nur, wie kommt man in denselben? Diese Frage ist, räumlich betrachtet, in Freiburg gar nicht so einfach zu beantworten. Dies liegt daran, dass das Rathaus eigentlich gar keines ist, sondern aus einer Reihe von Gebäuden besteht, denen vor allem eines fehlt: ein eindeutiger Eingang. Um die Sache noch zu komplizieren, gibt es ein altes und ein neues Rathaus sowie einen alten und einen neuen Ratssaal. Zu allem Übel sieht das alte Rathaus aus wie ein neues und umgekehrt, so dass selbst alte Freiburger alt und neu gelegentlich verwechseln. Vom Rathausplatz aus betrachtet, steht das alte rechts und das neue links. In beiden Rathäusern gibt es jeweils zwei Eingänge: im alten Rathaus einen im Hof für alle diejenigen, die dort parken dürfen. Der Eingang für Fußgänger befindet sich auf der Frontseite. Wichtiger ist für den Weg in den Gemeinderat das neue Rathaus. Da geht man durch das schmiedeiserne Gitter in den Hof. Rechts findet sich eine Tür, durch die Stadträte und Journalisten in den neuen Ratssaal im ersten Obergeschoss gehen. Besucher wählen die Tür links und steigen die Treppe hoch ins zweite Obergeschoss, wo eine Besuchertribüne mehr oder weniger, meist weniger, gut besetzt ist. Von der Tribüne aus sehen die an der Kommunalpolitik interessierten Freiburger nur einen Teil des Gemeinderates und seiner 48 Mitglieder, dafür aber die gesamte "Regierungsbank". Das ist gar nicht so unwichtig, denn der Oberbürgermeister ist der Vorsitzende des Gemeinderates und stimmberechtigt. Bei Patt-Situationen gibt seine Stimme den Ausschlag. Wer sich nicht mit der Rolle des passiven Zuschauers begnügen, sondern aktiv mitmischen will, muss sich der Wahl stellen: erst bei einer Partei, wenn diese die Listenplätze für die Kommunalwahl vergibt, und anschließend bei den Wählern. Auf den Listen der Parteien finden sich tatsächlich ab und zu Studenten, doch ihre Wahl in den Gemeinderat ist eher die Ausnahme. Die Freiburger wählen lieber Männer und Frauen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in ihr Stadtparlament. Weshalb den Studenten in der Regel dann doch nur die Besucherbank bleibt. BZ / Rolf Müller |
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