Keine Angst vor "Gschwelldi" |
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Strauße ist nicht etwa ein schräger badischer Plural, sondern die hierzulande gängige Bezeichnung für eine ganz besonders beliebte Einkehrmöglichkeit. Ungekürzt heißt das Phänomen "Straußenwirtschaft", und da sie von der Duden-Redaktion für erklärungsbedürftig befunden wurde, ist der Eintrag im Wörterbuch mit dem Vermerk "landsch. Für durch Zweige (Strauße) kenntlich gemachter Ausschank für eigenen (neuen) Wein" versehen. Aha. Über die Straußen kann man sehr unterschiedlicher Meinung sein: Bei den Gästen rangieren sie - gerade wenn´s herbstet - in der Beliebtheitsskala ganz oben, vielen Gastronomen sind sie genau deshalb ein Dorn im Auge. Weshalb die Straußenwirte mit strikten Auflagen leben müssen. Das kann aber diesem florierenden Wirtschaftszweig, der schon vor rund 1200 Jahren von Karl dem Großen höchstpersönlich zugelassen wurde, nichts anhaben. Was Straußen-Newcomer wissen müssen: Gar nicht erst versuchen einen Tisch zu reservieren - den Anruf kann man sich sparen. Die Platzvergabe richtet sich nach dem Kommen und Gehen der Gäste, die im Zusammenrücken meist sehr geübt sind. Wem es nach kulinarischen Extravaganzen oder gar nach Bier gelüstet, sollte besser gleich etwas anderes anpeilen. Straußen sind der Hort für hausgemachte Spezialitäten wie Flamm- oder Zwiebelkuchen, Winzerplatten und Bibliskäs - vor Wortungetümen wie "Geschwelldi" sollte man nicht zurückschrecken (was das ist, wird nicht verraten - ausprobieren!) Wer den Ehrgeiz hat, eine Strauße auf eigene Faust ausfindig zu machen, muss sich große Mühe geben, denn die mit bunten Bändern geschmückten "Sträuße" sind schwer zu entdecken, vor allem im Weinberg. Ratsam ist also, einen "Straußenführer" (gibt´s im Buchhandel) zu konsultieren, der über die Öffnungszeiten informiert. Denn bei der enormen Auswahl an Straußen in der Regio (insgesamt 47, davon fünf in Freiburg), die jeweils nur vier Monate im Jahr geöffnet sind, kann sich kein Mensch merken, wann welche Strauße wie lange geöffnet ist. Einige Winzer halten eine lauschige Scheune bereit, andere einen Gewölbekeller. Da jedoch das Ambiente nicht unbedingt Auskunft über die Qualität von Speis und Trank geben muss, ist es am besten, man probiert das Angebot einfach mal peu à peu durch. Dafür braucht man mindestens acht Semester. BZ / bis |
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